Unsere Theater AG begeistert mit Molières „Tartuffe“

Zur Premiere der bunten und modernen Inszenierung kamen am Donnerstagabend gut 250 Zuschauer*innen + Freitagabend-Vorstellung ist ausverkauft

Die erste von zwei Aufführungen (12. / 13.2.) des französischen Theaterklassikers fand am Donnerstagabend in der voll besetzten Aula unserer Schule statt.

„Es war ein voller Erfolg“, zeigte sich Herr Sczesny, seit 2008 Leiter der Theater AG, gelöst von der konzentrierten Anspannung, aber auch sehr zufrieden mit dem Premierenabend. „Jetzt genießen wir noch für einen Moment die lockere Stimmung und dann bereiten wir uns professionell auf die zweite Aufführung vor. Denn auch am Freitag erwarten wir wieder eine ausverkaufte Aula“, blickte Regisseur Sczesny schon voraus.

Molières Komödie „Tartuffe“ ist ein Klassiker der französischen Theaterkultur. Das Stück handelt von dem scheinheiligen Betrüger Tartuffe, der sich als besonders frommer Mann ausgibt, um das Vertrauen des wohlhabenden Orgon zu gewinnen.

Dieser verfällt aber Tartuffes falscher Frömmigkeit so sehr, dass er ihm seinen gesamten irdischen Besitz überschreiben und ihn sogar mit seiner Tochter verheiraten will; nur um sich selbst noch enger an den offensichtlichen Betrüger zu binden.

Parallel versucht der schleimige Tartuffe, Orgons Frau Elmire zu verführen. Durch eine inszenierte List und ein lustiges Versteck in einem Flamingo wird seine Heuchelei entlarvt, bis der weise König schließlich für Gerechtigkeit sorgt. So zumindest endet Molièrs Stück im Original. Die Kapu-Theater-AG entschied sich aber wieder einmal für ein neues Ende und schuf „alternative Fakten“. 

Dabei wurde mit respektvoller Leidenschaft an und mit dem Original gearbeitet, ohne alberne Aktualisierungsversuche oder eine zu übertriebene Theatermoral zu unternehmen. Gleichzeitig aber blieb die Theater AG in ihrer Botschaft angriffslustig und präzise. Das knallige und lichtintensive Bühnenbild war stimmig (großer Dank an Justus Krechting und sein Team!), im Vordergrund blieb aber stets die abwechslungsreiche Handlungsfolge.

Getragen wurde die knapp zweistündige Aufführung von dem präzisen und ausdrucksstarken Spiel der Figuren Tartuffe (Jan-Henning Geerlings), Orgon (Felix Quell) und Elmire (Ina Euting)  -  auch in ihrem witzigen „Zusammenspiel“ mit einer aufgeblasenen Gummipuppe.

Tanzeinlagen waren nachvollziehbar pointiert gesetzt, die Aussprache der Jungschauspieler*innen in der Summe sehr deutlich, das Timing in der Handlungsfolge kurz und bündig. 

Das war umso wichtiger, weil Molières Klassiker in Versen und Paarreimen vorgetragen wird. Es musste also stets jede Endsilbe des jungen Ensembles sitzen, damit Rhythmus und Reime betont fortgesetzt werden konnten.

Neben dem Figurendreieck um Tartuffe, Elmire und Orgon wussten aber auch die Nebenfiguren Cléante (Charlotte Kroll) und Monsieur Loyal (Lennart Winter) in ihren reflektierten Kommentaren und ihrem leichten Spiel zu überzeugen. Da wurde in Dramaturgie und Regiearbeit auf viele Kleinigkeiten geachtet, die die moderne Interpretation eines fast 300 Jahren alten Stückes nachvollziehbar und intelligent inszenierten, ohne dabei Sprache und inhaltliche Botschaft zu vernachlässigen. Kompliment.

Ein besonderer Dank gilt aber auch den Foyer-Engeln rund um Romy Reiß, Anja Hüning, Alina Bußmann und ihren Freunden aus der Jgst. Q1. So sieht es in der Schule aus, wenn die Q1 ein Event organisiert  -  das war cool! 

Wenn nun wiederholter Szenenapplaus und Standing Ovations und die vielen fröhlichen Gesichter im Publikum ein Indiz für einen rundum gelungenen Theaterabend sind, dann muss diese „Tartuffe“-Interpretation der Theater AG unserer Schule als ein voller Erfolg verstanden werden.

Poppig-buntes Theater mit einer klar verständlichen Botschaft:

Lassen wir uns nicht von großspurigen Heuchlern und lauten Populisten verführen. Sondern vertrauen wir auch mal wieder unseren eigenen Gedanken und überlegen erst einmal, bevor wir laut lospoltern.

 

Text: Theater AG

Fotos: Ayla Horstmann, Tatjana Wemmer, Sven Betz