Leben und Weben wie vor 125 Jahren

Unsere 8er auf dem Herding-Festival-2024 der FS Geschichte und dem LWL-Industriemuseum

#Herding-Festival-2024

#GeschichtevorOrt

#MitdemFahrstuhlindieVergangenheit

 

Wenn Geschichte und Moderne miteinander verwoben sind

Wenn Schule und Textilindustrie mitten in Bocholt aufeinandertreffen, dann arbeiten das St.-Josef-Gymnasium und das LWL-Industriemuseum mal wieder zusammen.

Am Dienstag (28. Mai 2024) fand das diesjährige „Herding-Festival: Mit dem Fahrstuhl in die Vergangenheit“ unserer 8. Klassen statt.

Bei noch bestem Wetter versammelten sich gegen 8.30 Uhr alle Mädchen und Jungen der Klassen 8 langsam auf dem kiesigen Innenhof der Weberei des LWL Textilwerks Bocholt.

Unruhig kommen sie in Kleingruppen zusammen und warteten auf die Dinge, die da kommen sollten. Viele kennen den authentischen Lernort bereits aus der Jahrgangsstufe 5 / 6 und haben bereits erste Fäden zum historischen Ort geknüpft.

Ein Gefühl der allgemeinen Vertrautheit macht sich also breit; schließlich kennen sich dann ja doch alle irgendwie aus der Schule. Nur ist man so selten als gesamte Jahrgangsstufe unterwegs. Auch deswegen lohnt sich das Herding-Festival immer wieder. Als Stufe ein ganzer Vormittag zusammen im Museum.

Und doch tauchen immer mal wieder neue Gesichter auf. So durften wir am Dienstag zum Beispiel Frau Dr. Bley, Wissenschaftliche Referentin für Bildung und Vermittlung des LWL-TextilWerk-Museums, kennenlernen. Aber auch die alten Hasen haben es sich nicht nehmen lassen, uns alle zu begrüßen. Also waren auch Frau Marciniec und Herr Schmidt (Kurator und Wissenschaftlicher Leiter des Museums) am Start, ebenso wie Herr Schepp; als Schulleiter und Geschichtslehrer lässt er sich natürlich nicht nehmen, wenigstens kurz mit dem Fahrstuhl in die Vergangenheit zu reisen. Aber dazu unten mehr.

Frau Dr. Bley und Herr Schepp waren sich auf jeden Fall schnell einig, dass an diesem Vormittag im Museum „die Fäden, die ihr in der Klasse 5 / 6 schon hier begonnen habt, weiter gewebt werden, nur mit etwas neuerer Maschinerie“, um im Bild der Textilindustrie zu bleiben.

Denn bereits beim Eintritt ins Gebäude fiel im Vergleich zu vorangegangenen Besuchen auf, dass sich dann doch ein bisschen was verändert hat. Ein Museum ist halt nie nur ein Museum. Ursprünglich begrüßten einen die ersten Ausstellungsstücke bereits im Foyer, doch weichen diese nun einem strahlend weißen Anstrich, der Offenheit und Transparenz vermittelt. Das frische neue Gewand tut gut.

Dieses Gefühl der Offenheit weist auf das grundsätzliche Konzept im Bocholter TextilMuseum hin. Wo zuvor noch Eisenstäbe und Ketten den direkteren Zugriff verhinderten, können die Besucher*innen nun in den Textilsektor der Industrialisierung nachhaltiger eintauchen. So kann man sich frei zwischen den Maschinen bewegen und die Verzahnung der Arbeitsprozesse am eigenen Leib nachvollziehen. Das war und ist spannend. Für die alten Hasen und für die neuen auch.

Denn begleitet wurden die Schüler*innen unserer 8. Klassen von ihren Geschichtslehrer*innen Frau Schmeing, Herrn Costa, Herrn Schmitz und Herrn Sczesny. Für einige von Ihnen war es nämlich auch das erste Herding-Festival als Geschichtslehrer*in am Kapu. Umso spannender war dann auch hier der Blick hinter die Kulissen des Museums und der aktuellen Ausstellungen  -  alle übrigens sehr sehr lohnenswert! 

Der Projekttag „Mit dem Fahrstuhl in die Vergangenheit“ ist eine Zusammenarbeit der Kooperationspartner St.-Josef-Gymnasium und LWL-Industriemuseum TextilWerk Bocholt.

„Das Herding-Festival ist seit mehr als zehn Jahren fester Bestandteil unserer Kooperation mit dem LWL-Textilwerk“, erklärt dazu Herr Schepp und weiß als erfahrener Geschichtslehrer: „Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts ist Bestandteil der unterrichtlichen Arbeit in der Jahrgangsstufe 8. Damit ist das Herding-Festival eine wichtige Ergänzung unseres Geschichtsunterrichts. So können wir einen konkreten lokalen Bezug ableiten, weil unsere Schüler*innen so viel Neues über ihre Stadt erfahren. Schule trifft auf Museum und Industrie.“ Eine runde Sache also.

Unsere Klassen 8 erlebten dann auch den ganzen Vormittag laut arbeitende Maschinen und eines wurde schnell klar: „Das ist Arbeit, kein Spiel!“, wie Frau Dr. Bley es treffend formulierte, als sie eine Menagerie von verschiedenen hämmernden und plärrenden Geräten anwerfen ließ. Andere Gruppen konnten währenddessen in die erhöhte Meisterkabine eintreten und einen Perspektivwechsel erleben. Sie setzten quasi die Brille eines Meisters auf, der die Prozessstrukturen von emporgebrachtem Posten aus unmittelbar überschauen kann.

Zusätzlich dazu vermittelten vier Module unseren Schüler*innen die unterschiedlichen Ebenen des Lebens am Bocholter Industriestandort um 1900. Hier wurden die Mädchen und Jungen aktiviert und die Arbeitsprozesse im Werk wurden noch transparenter. Entsprechend der didaktischen und konzeptionellen Grundidee des außerschulischen Lernortes.

So trugen unsere Module im Museum Namen wie „Weben und Leben wie vor hundert Jahren – Alltag zwischen Arbeit und daheim“ (Modul 1), „Fashion – Design und Mode“ (Modul 2), „Ein Haufen Kohle – Von Strategien und Unternehmerarbeit“ (Modul 3) und „Karl vor der Wahl. Ein Theaterstück“ (Modul 4).

An diesen Modulen lässt sich schnell die handlungsorientierte Natur der Vorhaben erkennen. Geschichte vor Ort – und live zum Anfassen und Mitmachen. Hier wird an die historische Materie Hand angelegt, indem Schüler*innen selbst Wäsche in der Art des 19. Jahrhunderts waschen, mit ausgewählter Maschinerie arbeiten oder die Rolle des Jungen Karl in der Arbeitswelt der Industrialisierung in Theaterform nachspielen.

Eben jenes Theaterstück war es, das unseren Vormittag abrundete. Das selbst verfasste, selbst gespielte Stück über Karl und seine Wahl zwischen Gymnasium und harter Arbeit im Werk zur (finanziellen) Unterstützung seiner Familie wusste wieder einmal zu begeistern.

Vor der historischen Kulisse der Weberei und den Augen der anderen auf dem Boden sitzenden 8er berührte das Schicksal des jungen Karls. Es ist immer wieder erstaunlich, wie anders die Interpretationen und Inszenierungen sind. Seit mehr als zehn Jahren hat jede Schüler*innengeneration ihren eigenen Blick auf Karls Zukunft.

Die Kooperation zwischen den Partnern St.-Josef-Gymnasium und LWL TextilWerk lebt!

Und sie wird immer enger miteinander verwoben. Das liegt vor allem an dem hohen leidenschaftlichen Engagement der Fachschaft Geschichte an unserer Schule sowie Frau Dr. Bley, Frau Marciniec und Herrn Schmidt auf Seiten des Museums und der so zugewandten und empathischen Art des gesamten pädagogischen Teams des Museums.

Ihnen allen gilt unser besonderer Dank für ihre Arbeit rund um diesjährige Herding-Festival.

Das Herding-Festival-2025 darf kommen!  

 

Text: FS Geschichte

Fotos: Jonah Schmeink & Sebastian Sczesny